“Investorenökonomie? Es scheint sich nur um Rhetorik zu handeln …”
ein Interview mit Markus Mandl
zum Thema: Innovation ist das große Schlagwort der Neunzigerjahre. Wo die Innovation wichtig ist, ist auch der Investor sehr wichtig. Tatsächlich ist es aber so, daß in Deutschland und in Österreich zumeist die Banken oder Versicherungsgesellschaften die Investoren sind. Es hat im vorigen Jahr eine Schätzung in der Wirtschaftswoche gegeben, dass ungefähr sechzig Prozent des Risikokapitals in Deutschland von Banken kommt. Gilt das auch für Österreich? Oder ist der Anteil noch höher?
Markus Mandl: Ich würde sagen, in Österreich geht der Anteil gegen hundert Prozent.
zum Thema: Also keine Risikokapitalgeber, die den österreichischen Markt schon entdeckt hätten?
Markus Mandl: Es gibt Ansätze bei großen Gesellschaften und in Bereichen wie der Telekommunikation. Hier gibt es Risikofonds, die sehr oft wieder von Banken aufgelegt werden. Zum Teil halten auch Banken diese Beteiligungen.
zum Thema: Wenn die Banken die Kapitalgeber sind, kann man dann wirklich ernsthaft von Risikokapital sprechen? Ist es dann wirklich ein Kapital, das im Sinne eines “venture”-Kapitals fließt?
Markus Mandl: Es ist weder Risikokapital noch venture-capital. Es ist im Prinzip Kapital, das zur Verfügung gestellt wird, das zum Großteil mit materiellen Sicherheiten wie Bargeld, Wertpapieren oder Hypotheken abgesichert ist. Es ist sicher kein Risikokapital im klassischen Sinne.
zum Thema: Wie sieht die Absicherung aus? Wird alles zurückgezahlt, wenn es nicht klappt?
Markus Mandl: Offiziell sind die Richtlinien der Banken so, daß die Bank überzeugt sein muß, daß der Kunde den Kredit zurückzahlen kann und will. Falls etwas in dieser Rechnung nicht aufgeht, hat die Bank die Möglichkeit, die Sicherheiten zu verwerten und zum Teil auch ohne Schaden auszusteigen.
zum Thema: Das ist eigentlich ein normaler Kredit …
Markus Mandl: Ja, das ist ein normaler Kredit, beziehungsweise ein Darlehen, wenn es mit einer Hypothek besichert ist.
zum Thema: Was erwartet die Bank von jemandem, der einen Kredit haben will? Es wird üblicherweise damit argumentiert, daß man einen guten Finanzplan braucht … Wie geht Ihre Fima an so etwas heran?
Markus Mandl: Die Problematik, vor der viele Kunden, speziell Jungunternehmer stehen, ist folgende: Sie haben eine gute Idee, teilweise auch schon im Detail durchdacht, sehr oft ist die Finanzierung jedoch nicht geplant. Unser Unternehmen ist in dieser Beziehung einen Schritt weiter, da ich vor meiner jetzigen Tätigkeit acht Jahre in einer Bank gearbeitet habe und genau weiß, was die Bank an Unterlagen benötigt. Wir sind unterstützend tätig: Wir erstellen ein Konzept, in dem eine Beschreibung des Kunden, der Idee, des Marktes erfolgt. Wir machen allerdings keine Marktrecherche, sondern wir fragen den Kunden, ob er seine Mitbewerber kennt und welche Vorteile und Nachteile er gegenüber der Konkurrenz hat. Wir beschreiben den Betrieb, ob es ein Produktions- bezw. ein Dienstleistungsbetrieb ist, und erstellen mit dem Kunden gemeinsam einen Finanzplan. Und diese Darstellung wird dann der Bank übergeben, die sich damit vorerst ein Bild über den Kunden machen kann.
zum Thema: Und reicht so eine Darstelllung aus, oder muß man dann mit einem aktiven Lobbying noch dazu beitragen, daß das Geschäft auch zustande kommt?
Markus Mandl: Wir betreiben das Lobbying ein, nachdem wir gute Kontakte zu diversen Bank haben. Grundsätzlich sollte einmal das Interesse der Bank geweckt werden. Wenn der Kunde selbst Lobbying betreiben kann, ist das sicher kein Nachteil. Das ein oder andere Vorstandsmitglied zu kennen, soll schon manchmal geholfen haben.
zum Thema: Inwiefern unterscheidet sich Ihre Tätigkeit von dem, was auch viele Steuerberater machen?
Markus Mandl: Steuerberater sind oft behilflich bei der Erstellung von Konzepten, aber konzentrieren sich nicht auf diesen Punkt, den wir anbieten, nämlich den Kunden bei der Bank zu vertreten. Die Präsentation in einem Verhandlungsgespräch ist etwas, womit sich Steuerberater nicht gerne beschäftigen.
zum Thema: D.h. im Extremfall bekommt die Bank den Kunden Ihrer Firma nicht zu sehen, sondern Sie wickeln alles vollständig für den Kunden ab?
Markus Mandl: Unsere Arbeit schließt in der Regel ein Einbinden des Kunden gegenüber dem Geldinstitut ein.
zum Thema: Gibt es ein Spezifikum in der Darstellung eines Unternehmens, auf die man großen Wert legen sollte?
Markus Mandl: Das Spezifikum ist der Finanzplan. Dieser ist das Herzstück der Darstellung.
zum Thema: Was ist am Finanzplan das Wichtigste? Ist eine bestimmte Zeitdauer, auch der Durchrechnungszeitraum? Worauf legt die Bank großen Wert?
Markus Mandl: Eine Planung ist bis zu maximal sechsunddreißig Monaten seriös. Darüber hinaus ist es keine Planung mehr, sondern eine Prognose oder eine Schätzung. Wir nehmen maximal vierundzwanzig Monate. Denn der Plan ist so gut wie die Daten, die eingegeben werden …
zum Thema: Wie sieht es von der Seite der Bank her aus? Ist sie an allen Branchen interessiert, oder gibt es in Österreich bestimmte Bereiche, für die man lieber Kredite gibt?
Markus Mandl: Es gibt Branchen, die man nicht so gern hat, andererseits kommt es selten vor, daß die Bank eine Branche als gut bezeichnet. Es mag ein paar Ausnahmen geben, die gerade boomen (Telekommunikation) oder die sehr spezifisch sind wie Biomedizin munikation, eher unbeliebt ist EDV, Gastgewerbe, Fremdenverkehr …
zum Thema: Wieso ist die EDV unbeliebt? Gerade die gilt ja als der große Innovationsbereich …
Markus Mandl: Die Banken mußten in der Vergangenheit wohl zu viele Ausfälle hinnehmen.
zum Thema: Wir haben vorhin schon erwähnt, daß es in Österreich sehr wenig an echtem Risikokapital gibt. Trotzdem drängen sehr viele angelsächsische Bewerber auf den europäischen Markt. Auch Österreich wird bald erreicht werden. Gibt es schon Auswirkungen auf das Denken der Banken zu spüren?
Markus Mandl: Beinahe jede österreichische Bank beschäftigt sich mittlerweile mit der Bereitstellung von Risikokapital, wobei die Bereitschaft eher für mittlere und große Unternehmen vorhanden ist.
zum Thema: Diesen Großunternehmen stellt man dann tatsächlich so etwas wie Risikokapital zur Verfügung. Es ist doch eine paradoxe Situation, daß man das mit Großunternehmern macht?
Markus Mandl: Es wird natürlich schon gesplittet. Wenn es in einer Gesellschaft ein Kapital von beispielsweise einer Milliarde gibt, dann versucht man schon, zehn bis fünfzehn Unternehmen zu finanzieren
zum Thema: D.h. die Bankensituation verändert sich nur sehr langsam in Bezug auf das, was vielleicht kommen könnte durch einen verstärkten Einsatz von angelsächsischen Anlegern in Österreich. Trotzdem wird immer mehr von Investoren und Investitionslogik und sogar von einer “Investoren-Ökonomie” gesprochen. Was sind die Ursachen dafür, daß man dieses Thema so in den Vordergrund rückt, obwohl sich offensichtlich auf den Märkten nicht so viel verändert hat?
Markus Mandl: Es scheint sich nur um Rhetorik zu handeln.
zum Thema: Vielen Dank für das Gespräch.
Herr Markus Mandl gründete nach acht Jahren Tätigkeit für eine österreichische Großbank in den Bereichen Privat- und vor allem Firmenkunden im Vorjahr eine Unternehmensberatungsgesellschaft und ist seit März dieses Jahres einer von drei Geschäftsführern der Fischer, Grün & Mandl Gesellschaft m.b.H. in Graz.
Das Unternehmen wurde 1996 gegründet und 1997 in eine Gesellschaft m.b.H. umgewandelt. Von Anfang an war es das Ziel, in einer immer komplexer werdenden Finanzindustrie für Unternehmen und Private ein unabhängiger und starker Partner zu sein. Dieser Schritt wurde mit der umfangreichen Produktpalette der Vermögensberatung und -verwaltung, dem Fondsmanagment und der Unternehmensberatung erfolgreich realisiert.
Fischer, Grün & Mandl Gesellschaft m.b.H.,
Friedrichgasse 6/II
8010 Graz
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Fax 0316 82 18 04
“zum Thema:” Nr. 27, 26.3.1999